Glossar Pflanzenkunde
🌿 Glossar A–Z
Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Fachbegriffe aus unseren Kapiteln – von Botanik & Bestimmung über Inhaltsstoffe & Verarbeitung bis zu Brauchtum & Sicherheit. Zur Vertiefung verlinken wir auf passende Seiten (z. B. Bestimmung , Inhaltsstoffe & Wirkungen , Giftpflanzen & Verwechslungen , Kräuter nach Monaten ).
A
Adstringierend
„Zusammenziehend“: Adstringierende Pflanzenbestandteile (meist Gerbstoffe/Tannine ) verursachen ein trocken‑straffendes Mundgefühl, weil sie mit Eiweißen der Schleimhaut reagieren. Traditionell nutzte man adstringierende Aufgüsse äußerlich z. B. zum Spülen oder für Umschläge; in der Küche begegnet uns der Effekt bei starkem Schwarztee, Eichenrinde oder unreifen Früchten. In der Pflanzenbestimmung ist Adstringenz kein einzelnes Beweismerkmal, kann aber als zusätzlicher sensorischer Hinweis dienen. Siehe auch Geschmack & Signaturen und Inhaltsstoffe .
Apiaceae (Doldenblütler)
Große Pflanzenfamilie mit charakteristischen Dolden als Blütenstand. Küchenkräuter wie Petersilie, Dill, Koriander und Nutzpflanzen wie Möhre gehören dazu – aber auch Giftpflanzen wie Gefleckter Schierling. Bestimmungs‑Praxis: Immer mehrere Merkmale prüfen (Blattzerteilung, Hohlstängel, Geruch, Hüll‑/Hüllchenblätter), da es gefährliche Verwechslungen gibt. Vertiefung: Pflanzenfamilien & Merkmale , Giftpflanzen & Verwechslungen .
Asteraceae (Korbblütler)
Eine der artenreichsten Familien: Löwenzahn, Gänseblümchen, Ringelblume, Schafgarbe. Typisch ist der „ Blütenkorb “, der aus vielen Einzelblüten (Zungen‑ und Röhrenblüten) besteht und wie eine einzelne Blüte wirkt. Für die Bestimmung sind Korbaufbau, Hüllblätter und Pappus (Haarkrone) wichtige Hinweise. In der Hausapotheke spielen Korbblütler traditionell häufig eine Rolle; Verträglichkeit individuell prüfen. Siehe Blätter & Blüten erkennen .
Aufguss (Infus)
Wasser wird über zerkleinerte Pflanzenteile gegossen, kurz bedeckt ziehen gelassen und abgeseiht. Geeignet für empfindliche Blätter/Blüten mit flüchtigen Duftstoffen (z. B. Minze, Lindenblüte). Der Aufguss unterscheidet sich vom Dekokt (Abkochung) für harte Teile wie Rinden/Wurzeln. Mehr zur Praxis: Verarbeitung & Vorrat .
B
Bitterstoffe
Sekundäre Pflanzenstoffe, die „bitter“ schmecken und traditionell mit Verdauungs‑ und Appetit‑Anregung verknüpft werden. Typische Bitterkräuter sind Löwenzahn, Schafgarbe, Wermut. In der Küche lassen sich Bitternoten mit Banane, Beeren, Zitrone oder Gewürzen (Zimt/Vanille) balancieren – siehe Smoothie‑Tipp in Geschmack & Signaturen . Fachlich: Inhaltsstoffe & Wirkungen .
Blattrand
Der äußere Abschluss des Blattes: glatt, gesägt, gezähnt, gelappt u. a. Der Blattrand ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal, das zusammen mit Blattform, Nervatur und Blattstellung betrachtet wird. Vorsicht: Einzelmerkmale nie isoliert verwenden – immer eine Merkmalskette prüfen. Siehe Blattform‑Übersicht .
Blattnervatur
Netz‑ oder parallelnervige Anordnung der Leitbahnen im Blatt. Zweikeimblättrige (z. B. Löwenzahn) sind meist netznervig, Einkeimblättrige (z. B. Maiglöckchen) oft parallelnervig. Die Nervatur unterstützt die Bestimmung in Kombination mit weiteren Merkmalen (Stängel, Geruch, Standort). Siehe Kapitel 3 .
Blütenstand (Infloreszenz)
Die Anordnung mehrerer Blüten an einer Pflanze, z. B. Dolde (Apiaceae), Korb (Asteraceae), Traube, Rispe. Aufbau, Hüllblätter und Nebendetails helfen bei der Familien‑ und Artbestimmung. Praxisnah erklärt in Blätter & Blüten und Pflanzenfamilien .
C
Carotinoide
Gelb‑orange‑rote Pflanzenfarbstoffe (z. B. in Ringelblume, Karotte, Sanddorn). Sie wirken antioxidativ und sind zum Teil Vorstufen von Vitamin A. Carotinoide sitzen in Chromoplasten und tragen – neben Chlorophyll/Photosynthese – zur Färbung von Blüten und Früchten bei. Mehr zu Stoffgruppen in Kapitel 5 .
Chlorophyll
Grüner Farbstoff der Pflanzen in den Chloroplasten. Er absorbiert Lichtenergie, um sie in der Photosynthese nutzbar zu machen. Chlorophyll gibt Blättern ihre Farbe und ist zentral für den Energiehaushalt der Pflanze. Im Jahreslauf nimmt der Chlorophyllgehalt mit dem Herbst ab – daher verfärben sich viele Blätter.
Cuticula
Dünne, wachsartige Schutzschicht auf der Epidermis von Blättern und jungen Stängeln. Sie reduziert Wasserverlust und schützt vor Nässe, Mikroorganismen und UV‑Strahlung. Dicke und Beschaffenheit der Cuticula sind an Standort und Klima angepasst und können bei der Bestimmung (glänzend/matt, wasserabweisend) Hinweise geben.
D
Dekokt (Abkochung)
Abkochung harter Pflanzenteile (Rinden, Wurzeln, holzige Stängel): Material in kaltem Wasser ansetzen, aufkochen, wenige Minuten leise köcheln, abseihen. Ziel ist ein stärkerer Auszug robuster Bestandteile. Abgrenzung zum Aufguss (Infus) , der für zarte Blätter/Blüten genutzt wird. Mehr in Verarbeitung & Vorrat .
Dolde
Blütenstand, bei dem viele Blütenstiele von einem Punkt ausgehen (wie Speichen). Typisch für Doldenblütler ( Apiaceae ). Unterdolden (Döldchen) und Hüll‑/Hüllchenblätter sind wichtige Detailmerkmale. Bei dieser Familie besondere Sorgfalt: Es gibt giftige Doppelgänger – siehe Verwechslungen .
Droge (pflanzliche Rohdroge)
In der Phytotherapie bezeichnet „Droge“ neutral das getrocknete, zerkleinerte Pflanzenmaterial (z. B. Menthae folium = Pfefferminzblatt). Mit der umgangssprachlichen „Droge“ hat der Fachbegriff nichts zu tun. Verarbeitungshinweise: sauber, trocken, dunkel lagern – siehe Vorrat & Haltbarkeit .
E
Eigenbedarf / Handstraußregel
In vielen Regionen darf außerhalb von Schutzgebieten eine kleine Menge wilder Pflanzen für den Eigenbedarf gesammelt werden („Handstrauß“). Die Details variieren rechtlich; geschützt sind Arten und Gebiete. Grundsatz: Bestände schonen, sensible Lebensräume meiden, Privatflächen nur mit Erlaubnis. Mehr in Kapitel 8: Wildkräuter sammeln .
Essigmazerat
Auszug von Pflanzenteilen in Essig (z. B. Kräuter‑Essig). Essig löst wasserlösliche Stoffe und verleiht eine frische, klare Würze. Für Küche/Haushalt beliebt; sauber arbeiten und nach dem Abseihen kühl/dunkel lagern. Alternativ: Ölauszug oder Tinktur. Siehe Verarbeitung .
Ethnobotanik
Wissenschaft von den Beziehungen zwischen Menschen und Pflanzen in Kultur, Geschichte und Alltag. Sie untersucht Nutzungen (Nahrung, Handwerk, Medizin), Rituale (z. B. Räuchern) und Sprachwelt (Namen, Mythen). Für Sammler hilft die Ethnobotanik, traditionelle Kenntnisse einzuordnen – sachlich, ohne Heilsversprechen. Vgl. Brauchtum & Hausmittel .
F
Fermentation
Gezielte mikrobielle Umwandlung pflanzlicher Stoffe, z. B. Milchsäuregärung von Kräutern oder Blättern (selten), bekannter bei Gemüse (Sauerkraut). Sie kann Aroma, Bekömmlichkeit und Haltbarkeit verändern. Hygiene, Salzgehalt und Temperatur sind entscheidend. Für Anfänger eher bei Gemüse starten; Kräuter sparsam kombinieren.
Flavonoide
Große Gruppe polyphenolischer Pflanzenstoffe (z. B. Quercetin, Rutin) mit antioxidativem Potenzial und vielfältigen Funktionen in der Pflanze (Farbe, UV‑Schutz, Abwehr). In Tees und Kräutern weit verbreitet. Ihre Eigenschaften sind Gegenstand moderner Forschung; praktische Nutzung bleibt genuss‑ und erfahrungsbasiert. Siehe Inhaltsstoffe .
Fruchtknoten
Unterer Teil der Blüte, der nach der Befruchtung zur Frucht heranwächst. Lage (ober‑/unterständig), Form und Fächerzahl sind wichtige Bestimmungsmerkmale in der Botanik. Zusammen mit Kelch, Krone und Staubblättern beschreibt er den Blütenaufbau – siehe Kapitel 3 .
G
Gefiedert (Blattform)
Blatt ist in mehrere Abschnitte („Fiedern“) gegliedert, z. B. bei Wilder Möhre. Gefiederter Aufbau kommt bei vielen Doldenblütlern vor. In der Bestimmung wird die Art der Teilung (1‑, 2‑, 3‑fach gefiedert) mit weiteren Merkmalen kombiniert. Mehr in Blattform: gefiedert .
Gerbstoffe (Tannine)
Phenolische Verbindungen, die Eiweiße binden, adstringierend schmecken und Pflanzen gegen Fraß schützen. In Tees sind sie für herbe Noten verantwortlich (z. B. Salbei, Eichenrinde). Umgang: Nicht überdosieren, Geschmack balancieren (Honig, Zitrone). Siehe Inhaltsstoffe und Geschmack .
Giftpflanze
Pflanzen mit Inhaltsstoffen, die in bestimmten Mengen gesundheitsschädlich bis lebensgefährlich sein können. Gefahr entsteht häufig durch Verwechslungen(z. B. Bärlauch ↔ Maiglöckchen; Wilde Möhre ↔ Gefleckter Schierling). Grundregeln: Nur sicher bestimmte Arten verwenden, mindestens drei Merkmale prüfen, bei Unsicherheit stehen lassen. Siehe Giftpflanzen & Verwechslungen .
Glucosinolate
Scharf schmeckende Senfölglykoside der Kreuzblütler (z. B. Kresse, Rettich). Beim Schneiden/Quetschen entstehen Senföle, die das typische „scharfe“ Aroma erzeugen. In der Küche mildern Fett, Säure und Hitze die Schärfe. Siehe Geschmack & Signaturen .
H
Habitat
Typischer Standort einer Art: Feuchtwiese, Trockenrasen, Waldsaum, Ufer. Das Habitat liefert starke Hinweise bei der Bestimmung (z. B. Aronstab im schattigen Laubwald, Bärlauch in Auwäldern). Sammel‑Praxis: Saubere Standorte wählen; belastete Flächen meiden. Siehe Kapitel 8 .
Habitus (Wuchsform)
Gesamterscheinung einer Pflanze: aufrecht, niederliegend, rosettig, horstig. Der Habitus verändert sich im Lebenszyklus (Keimling → Blattrosette → Blüte). Beobachtung im Bestand hilft, Arten schneller einzuordnen. Siehe Bestimmung .
Herbarium
Sammlung getrockneter, gepresster Pflanzenbelege mit Funddaten. Dient zum Lernen, Vergleichen und Dokumentieren. Für Hobbyzwecke genügen wenige ausgesuchte Belege; achte auf Schutzregeln, keine seltenen Arten sammeln. Digital‑Alternative: gut beschriftete Foto‑Sammlungen.
I
Infloreszenz
Fachbegriff für den Blütenstand , also die Anordnung vieler Einzelblüten an einer Pflanze (z. B. Dolde, Korb, Rispe, Traube). Struktur und Details (Hüllblätter, Pappus, Verzweigung) sind zentrale Bestimmungsmerkmale. Siehe Kapitel 3 .
Infus (Aufguss)
Siehe Aufguss. Zarte Pflanzenteile werden mit heißem Wasser übergossen. Ziehzeit, Temperatur und Abdeckung beeinflussen Aroma und Auszug. Praxis: Verarbeitung & Vorrat .
Inhaltsstoffe (sekundäre Pflanzenstoffe)
Große Stoffgruppen wie Flavonoide , Gerbstoffe , Glucosinolate , Saponine , Schleimstoffe , Terpene. Sie erfüllen in der Pflanze ökologische Funktionen (Schutz, Farbe, Duft) und prägen Geschmack/Verarbeitung. Systematisch erklärt in Kapitel 5 .
J
Jahreskreis
Traditionelle Einteilung des Jahres in Feste (z. B. Johanni, Rauhnächte) mit regionalen Bräuchen. Kräuter spielen dabei symbolische Rollen (Schutz, Reinigung, Segen). Moderne Praxis versteht dies als Kulturwissen, nicht als Heilsversprechen. Siehe Brauchtum & Hausmittel .
Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea)
Gelb blühender Korbblütler mit Pyrrolizidinalkaloiden – für Weidetiere problematisch, als Wildkraut nicht für die Küche. Häufige Verwechslungsthemen mit Johanniskraut werden in Verwechslungen erklärt. Beim Sammeln aufmerksam bleiben.
Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Traditionell zu Johanni gesammelt, kulturell mit „Licht & Schutz“ verbunden. Auffällig sind die „Öldrüsen‑Pünktchen“ in Blättern (gegen das Licht sichtbar). In Kosmetik/Ölauszügen beliebt (Rotöl). Hinweise auf Wechselwirkungen beachten; keine Heilsversprechen. Siehe Brauchtum und Verarbeitung .
K
Kaltmazerat
Kaltes Einweichen von Pflanzenteilen über mehrere Stunden (z. B. empfindliche Schleimstoff‑pflanzen wie Malve). Vorteil: Schonender Auszug ohne Hitze. Anschließend abseihen; für Genuss/Aufbewahrung Hinweise in Verarbeitung & Vorrat .
Kelch & Krone (Calyx & Korolle)
Der Kelch (meist grün) schützt die Knospe; die Krone/Korolle (bunt) lockt Bestäuber. Form, Zahl und Verwachsung sind wichtige Bestimmungsmerkmale (z. B. „Lippenblüte“ bei Lamiaceae). Siehe Kapitel 3 .
Kreuzblütler (Brassicaceae)
Pflanzenfamilie mit vierzähligen, „kreuzförmig“ angeordneten Kronblättern. Enthält viele Küchenarten (Kresse, Senf) und die scharf schmeckenden Glucosinolate. Bei der Bestimmung helfen Blütenform, Schoten (Frucht) und Geruch. Siehe Familien & Merkmale .
L
Lamiaceae (Lippenblütler)
Familie aromatischer Kräuter: Minze, Salbei, Thymian, Melisse. Typisch: vierkantiger Stängel, gegenständige Blätter, „Lippenblüte“. Ätherische Öle prägen Duft und Geschmack. In der Küche und für Duft‑Rituale beliebt. Siehe Familien und Geschmack .
Lanzettlich
Schmale, längliche Blattform mit zugespitztem Ende, breiter in der Mitte (z. B. Wegerich‑Arten). Blattformen sind nur ein Teil der Merkmalskette; stets mit Nervatur, Rand und Stellung kombinieren. Siehe Blattformen .
Leitbündel (Xylem/Phloem)
Pflanzliche „Versorgungsleitungen“: Das Xylem transportiert Wasser/Mineralstoffe von den Wurzeln nach oben; das Phloem verteilt Photosynthese‑Produkte (Zucker) von den Blättern in die Pflanze. Die Muster der Leitbündel prägen die Blattnervatur. Grundlagen siehe Photosynthese.
Lichtkeimer
Arten, deren Samen zur Keimung Licht benötigen und daher nur leicht mit Erde bedeckt oder aufgestreut werden. In der Wildpflanzen‑Anzucht wichtig: Keimbedingungen (Licht, Feuchte, Temperatur) beachten.
M
Mazeration / Mazerat
Einlegen von zerkleinertem Pflanzenmaterial in eine Flüssigkeit (Öl, Alkohol, Wasser), um Inhaltsstoffe zu lösen. Ergebnis ist das Mazerat – z. B. Ölauszug für Salben oder Tinktur für die Hausapotheke. Sauberkeit, Verhältnis und Zeit bestimmen die Qualität. Siehe Verarbeitung .
Meristem
Teilungsfähiges Pflanzengewebe (Wachstumszonen) an Spross‑ und Wurzelspitzen oder im Kambium. Hier entstehen neue Zellen, aus denen Blätter, Blüten und Stängel hervorgehen. Meristeme erklären, warum Pflanzen nach Rückschnitt erneut austreiben können.
Mykorrhiza
Symbiose zwischen Pilzen und Pflanzenwurzeln. Pilze erweitern das Wurzelnetz, verbessern Wasser‑/Nährstoffaufnahme; Pflanzen liefern Zucker aus der Photosynthese. Viele Wildpflanzen sind darauf angewiesen – ein Grund, Böden schonend zu behandeln und nicht zu „überpflegen“.
N
Nährstoffe (Makro/Mikro)
Makronährstoffe (z. B. Kalium, Phosphor) und Mikronährstoffe/Spurenelemente (z. B. Eisen, Zink) sind für Pflanzen und Ernährung relevant. Wildkräuter können je nach Art und Standort beachtliche Mengen liefern. Praxis: Kräuter nach Nährstoffen .
Naturschutzgebiet
Rechtlich besonders geschützte Flächen. Sammeln ist hier meist verboten. Auch außerhalb gilt: nur kleine Mengen für den Eigenbedarf, Bestände schonen, Wege respektieren. Details regional prüfen. Siehe Kapitel 8: Sammeln .
Netznervig
Blattadern bilden ein vernetztes Muster (typisch bei vielen zweikeimblättrigen Arten). Gegenstück: Parallelnervig. Zusammen mit Blattform, Rand und Stellung ein wichtiges Bestimmungsmerkmal. Siehe Blattform .
O
Ölauszug (Ölmazerat)
Getrocknete (!) Pflanzenteile in Pflanzenöl einlegen (z. B. Oliven‑ oder Mandelöl), mehrere Wochen ziehen lassen, abseihen. Grundlage für Salben/Einreibungen. Wichtig: Trocken arbeiten, damit kein Wasser ins Öl gelangt; kühl, dunkel lagern. Praxis: Verarbeitung & Vorrat .
Organische Säuren (z. B. Oxalsäure)
Kleines Säuren‑Spektrum in Pflanzen, u. a. für Geschmack (sauer/frisch) verantwortlich. Oxalsäure kommt z. B. in Sauerampfer/Spinat vor; sie bindet Calcium als Oxalat. Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen beachten individuelle Empfehlungen; Vielfalt und Mäßigung sind gute Leitlinien.
P
Parallelnervig
Blattadern verlaufen weitgehend parallel (typisch bei vielen Einkeimblättrigen wie Maiglöckchen). Für die Bärlauch‑Bestimmung wichtig: Beide sind parallelnervig, unterscheiden sich aber durch Geruch, Blattanzahl pro Stiel und Blütenform – siehe Verwechslungs‑Vergleiche .
Perennierend (mehrjährig)
Arten, die über mehrere Jahre leben und wiederkehren. Viele Wildkräuter sind mehrjährig und treiben aus Rhizomen, Wurzeln oder Zwiebeln neu aus. Sammel‑Praxis: Pflanzen schonen, nicht alle Triebe entnehmen, Erholungsphasen respektieren.
Phenole / Polyphenole
Große Stoffklasse mit Untergruppen wie Flavonoide und Gerbstoffe. Sie prägen Farbe, Geschmack (herb/adstringierend) und dienen der Pflanze als Schutz. In Kräutern weit verbreitet; Balance im Genuss wichtig (nicht zu stark, nicht zu lang ausziehen).
Photosynthese (auch: Fotosynthese)
Grundprozess grüner Pflanzen, bei dem Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt wird. In den Chloroplasten absorbiert Chlorophyll Licht; in den lichtabhängigen Reaktionen entstehen energiereiche Moleküle (ATP, NADPH). Im anschließenden Calvin‑Zyklus (lichtunabhängig) wird aus Kohlendioxid (CO₂) und Wasser (H₂O) Glukose aufgebaut; Sauerstoff(O₂) wird freigesetzt. Über Leitbündel verteilt die Pflanze die Produkte (Phloem), Wasser steigt im Xylem auf. Blattöffnungen ( Stomata ) regulieren Gasaustausch und Wasserverlust. Photosynthese erklärt das Wachstum, die Bildung von Blatt‑Aromen und den Jahresrhythmus der Pflanzen. Vertiefung: Einführung – Warum Pflanzenkunde? .
Q
Quercetin
Weit verbreitetes Flavonoid in vielen Kräutern, Blättern und Früchten. Es trägt zum antioxidativen Potenzial pflanzlicher Lebensmittel bei und beeinflusst mit anderen Polyphenolen Farbe und Geschmack. In Tees/Kräutern hängt der Gehalt von Art, Standort und Verarbeitung ab. Siehe Inhaltsstoffe .
Quirlig (Blattanordnung)
Drei oder mehr Blätter entspringen an derselben Sprosshöhe ringförmig um den Stängel („Quirl“). Zusammen mit gegenständiger oder wechselständiger Anordnung ein wichtiges Bestimmungsmerkmal. Mehr in Blatt‑Grundlagen .
R
Räuchern (Kräuterräucherung)
Traditionelles Duft‑Ritual mit getrockneten Kräutern/Harzen (z. B. Beifuß, Wacholder, Salbei). Heute vor allem als Atmosphäre‑ und Kulturpraxis zu verstehen. Wichtig: Brandschutz, Lüften, Kinder/Tiere schützen. Anleitung und Sicherheit in Brauchtum & Hausmittel .
Rhizom
Unterirdischer, meist waagerecht wachsender Spross, der Speicherstoffe enthält und neue Triebe bildet (z. B. bei Schachtelhalm, Ingwer). Rhizome sind wichtig für die Überdauerung und Ausbreitung vieler mehrjähriger Wildpflanzen. Beim Sammeln stets schonend vorgehen.
Rosaceae (Rosengewächse)
Große Familie mit vielen Nutz‑ und Wildarten: Hagebutte, Brombeere, Apfel, Schlehe. Blüten meist fünfzählig; Früchte sehr variabel (Scheinfrüchte, Sammelsteinfrüchte). In der Bestimmung helfen Kelch/Fruchtmerkmale. Siehe Familien .
Rosette
Blätter entspringen bodennah ringförmig (z. B. Löwenzahn, Wegerich). Rosetten sind ein wichtiges Entwicklungsstadium vieler Arten und helfen bei der Frühjahrsbestimmung. Kombination mit Blattrand, Nervatur und Standort erhöht die Sicherheit. Siehe Kapitel 3 .
S
Saponine
Seifenähnliche Pflanzenstoffe mit schäumender Eigenschaft (z. B. im Efeu, Süßholz). Sie können den Geschmack beeinflussen (leicht bitter) und sind in zahlreichen Wild‑ und Kulturpflanzen enthalten. In der Küche/Verarbeitung dosiert verwenden, individuelle Verträglichkeit beachten. Siehe Inhaltsstoffe .
Schleimstoffe
Polysaccharid‑reiche Verbindungen, die mit Wasser quellfähige Gele bilden (z. B. Malven, Leinsamen). Sie prägen Textur und Mundgefühl (mild, „schleimig“). Für Kaltmazerate geeignet; Hitze kann Struktur verändern. Praxis in Verarbeitung .
Sekundäre Pflanzenstoffe
Vielfältige Stoffe, die nicht primär dem Energiestoffwechsel dienen, sondern ökologische Aufgaben haben (Abwehr, Farbe, Duft). Zu ihnen zählen Flavonoide , Gerbstoffe , Glucosinolate , Saponine , Terpene u. a. Sie prägen Aroma, Farbe und Verarbeitung von Kräutern. Systematik: Kapitel 5 .
Signaturenlehre
Historische Vorstellung, dass Form/Farbe/Geruch einer Pflanze auf ihre Verwendung „hinweisen“. Heute dient sie vor allem als Merkhilfe in der Pflanzenkunde (Eselsbrücken). Entscheidungen für Küche/Hausapotheke basieren auf sicherer Bestimmung und sachlicher Information, nicht auf Symbolik. Siehe Kapitel 10 und Brauchtum .
Stomata (Spaltöffnungen)
Kleine Poren in der Blattoberfläche, die Gase austauschen (CO₂ rein, O₂ raus) und die Transpiration steuern. Sie öffnen/schließen je nach Licht, CO₂‑Gehalt und Wasserstatus. Für die Photosynthese essenziell; bei Trockenheit schließen sie, um Wasser zu sparen.
T
Tannine (Gerbstoffe)
Siehe Gerbstoffe. In der Praxis ist „Tannin“ oft gleichbedeutend mit Gerbstoff. Sie sorgen für adstringierende Noten, Stabilisierung und werden in Lebensmitteln/Tees je nach gewünschtem Effekt dosiert.
Terpene / Ätherische Öle
Große Stofffamilie, die den typischen Duft vieler Kräuter prägt (z. B. Menthol, Thymol, Linalool). Terpene sitzen in Drüsenhaaren/Öldrüsen und sind flüchtig – daher schonend verarbeiten, nicht zu stark erhitzen. Siehe Inhaltsstoffe und Verarbeitung .
Tinktur
Alkoholischer Auszug aus getrockneten oder frischen Pflanzenteilen. Alkohol (40–70 %) löst viele Inhaltsstoffe und macht sie länger haltbar. Sauber arbeiten, korrekt beschriften, dunkel/kühl lagern. Praxis: Verarbeitung & Vorrat .
Traube (Blütenstand)
Einfache Infloreszenz, bei der die Blüten an kurzen Stielen entlang einer Hauptachse sitzen (z. B. Maiglöckchen – jedoch mit Glockenblüten). Form des Blütenstands ist ein Kernmerkmal in der Bestimmung – siehe Kapitel 3 .
Transpiration
Wasserverdunstung über die Stomata. Sie kühlt die Pflanze und zieht über das Xylem Wasser/Nährstoffe nach. Transpiration steht im Gleichgewicht mit Photosynthese und Wasserangebot. Bei Hitze/Trockenheit reduziert die Pflanze Transpiration durch Schließen der Stomata.
U
Umschlag (Pflanzenumschlag)
Traditionelle äußere Anwendung: Pflanzenauszüge werden auf ein Tuch gegeben und auf die Haut aufgelegt. Heute gilt das als Wohlfühl‑/Pflege‑Ritual; Verträglichkeit individuell testen, keine Heilsversprechen. Hygienisch arbeiten, Hautreaktionen beobachten.
Unterirdische Speicherorgane
Strukturen wie Rhizome , Zwiebeln und Knollen speichern Reserven und sichern das Überdauern. Für die Bestimmung sind Form, Geruch und Schnittbild hilfreich. Beim Sammeln nur kleine Mengen entnehmen und Bestände schonen.
Urticaceae (Brennnesselgewächse)
Familie um die Brennnesseln ( Urtica ). Typisch sind Brennhaare mit Ameisensäure‑haltiger Flüssigkeit. Junge Triebe sind ein klassisches Wildgemüse; beim Ernten Handschuhe tragen. Siehe Kräuter nach Monaten .
V
Vegetative / Generative Phase
Vegetativ: Wachstum von Blättern, Stängeln, Wurzeln; generativ: Blüte, Bestäubung, Frucht/Samen. Das Wissen um Phasen hilft beim Sammeln (z. B. zarte Frühjahrsblätter, Blüten zur Vollblüte, Wurzeln in Ruhezeit). Siehe Saisonübersicht .
Verwechslungspartner
Arten, die sich stark ähneln und zu Fehlbestimmungen führen können (z. B. Bärlauch ↔ Maiglöckchen, Wilde Möhre ↔ Gefleckter Schierling). Grundregel: Mindestens drei unabhängige Merkmale prüfen (Blattform, Geruch, Stängel, Blüte, Standort) und im Zweifel nicht verwenden. Siehe Vergleichstabellen .
Vorratshaltung
Schonendes Haltbarmachen (Trocknen, Ölauszug , Tinktur , Einfrieren) und korrekte Lagerung(trocken, dunkel, kühl). Regelmäßige Qualitätskontrolle (Geruch, Feuchte, Verklumpung) verhindert Verluste. Praxis in Kapitel 9: Verarbeitung & Vorrat .
W
Wacholder (Juniperus)
Nadelgehölz mit würzigen Beerenzapfen (Küche, Räuchern). In Bräuchen als Schutz‑Duft genutzt. Achtung: Verwechslung mit giftiger Eibe vermeiden; Nadelform, Beeren und Habitus vergleichen. Räuchern stets mit Lüftung, Brandschutz beachten. Siehe Brauchtum .
Wasserhaushalt der Pflanze
Gleichgewicht aus Aufnahme (Wurzel), Transport ( Xylem ), Speicherung (Gewebe) und Abgabe ( Transpiration ). Standort (Boden, Licht, Wind) beeinflusst den Wasserbedarf. Für Sammler erklärt der Wasserhaushalt, warum Pflanzen zu bestimmten Zeiten aromatischer sind (z. B. am Vormittag). Siehe Sammel‑Tipps .
Wechselständig (Blattanordnung)
Blätter sitzen abwechselnd links/rechts am Stängel. Zusammen mit gegenständig und quirlig ist die Blattstellung ein Kernmerkmal in der Bestimmung. Praxis: Blatt & Stellung .
Wildkräuter
Nicht kultivierte, essbare oder anderweitig nutzbare Pflanzen der freien Landschaft. Sie unterscheiden sich von Heilpflanzen (Anwendung) und Gartenkräutern (Anbau). Für die Küche/Hausapotheke gilt: sichere Bestimmung, saubere Standorte, kleine Mengen. Einstieg über interaktive Bestimmung und Saisonkalender .
X
Xylem
Teil der Leitbündel , der Wasser und Mineralstoffe von der Wurzel in die Sprosse/Blätter transportiert. Der Aufstieg wird durch Transpiration und Kapillarkräfte unterstützt. Xylem‑Strukturen (z. B. Jahresringe in Holz) erzählen vom Wachstum und Klima der vergangenen Jahre.
Y
Ysop (Hyssopus officinalis)
Aromatischer Lippenblütler mit kräftigem, leicht bitter‑würzigem Geschmack. Traditionell Küchen‑ und Räucherkraut. Typische Familienmerkmale: vierkantiger Stängel, gegenständige Blätter, Lippenblüte. Für Einsteiger ein gutes Beispiel, um Familie Lamiaceae sensorisch zu verstehen.
Z
Zwiebel (botanisch)
Verdicktes, unterirdisches Speicherorgan aus fleischigen Blattbasen (z. B. Bärlauch, Küchenzwiebel). Dient der Überdauerung und dem Austrieb im Folgejahr. Schnittbild, Geruch und Hüllschalen helfen bei der Bestimmung. Schonend sammeln, Bestände respektieren. Siehe Kapitel 8 .
Zygomorph
Blüten, die nur in einer Ebene spiegelbildlich sind (z. B. Lippenblüten der Lamiaceae ). Gegenstück: radiärsymmetrische Blüten (mehrere Symmetrieebenen). Die Blütensymmetrie ist ein zentrales Bestimmungsmerkmal – siehe Kapitel 3 .
Hinweis: Dieses Glossar erklärt Kultur‑, Botanik‑ und Verarbeitungsthemen verständlich und verantwortungsvoll. Es ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Für sensible Anwendungen und Schutzregeln bitte die jeweiligen Kapitel beachten.