Nelken-Sommerwurz
(Orobanche caryophyllacea Sm.)
Die Pflanzen-Vampire unserer Wiesen: Das Geheimnis der Nelken-Sommerwurz
Stell dir vor, du gehst durch eine blühende Sommerwiese und entdeckst eine Pflanze, die dort eigentlich gar nicht hineinpasst. Sie hat keine grünen Blätter, betreibt keine Fotosynthese und sieht auf den ersten Blick fast aus wie ein vertrockneter Pilz oder eine exotische Orchidee.
Genau das ist mir vor Kurzem passiert, als ich ein echtes botanisches Phänomen vor die Kamera bekommen habe: die Nelken-Sommerwurz ( Orobanche caryophyllacea
).
Das perfekte Verbrechen im Wurzelreich
Die Nelken-Sommerwurz ist ein sogenannter Vollschmarotzer (Holoparasit). Das bedeutet: Sie hat im Laufe der Evolution ihr eigenes Blattgrün komplett verloren. Da sie sich nicht selbst durch Sonnenlicht versorgen kann, lebt sie wie ein kleiner Vampir unter der Erde.
Sie dockt heimlich an die Wurzeln ihrer Nachbarpflanzen – in diesem Fall ausschließlich an Labkräuter – und saugt ihnen Wasser und Nährstoffe ab.
Erst wenn es Zeit für die Blüte ist, bricht dieser geheimnisvolle Gast aus dem Boden hervor.
Riechen erlaubt, Pflücken verboten!
Wer sich der Pflanze nähert und vorsichtig an den hellen Blüten schnuppert, erlebt die nächste Überraschung: Sie verströmt einen intensiven, würzigen Duft nach Gewürznelken.
Aber Achtung: So faszinierend die Nelken-Sommerwurz auch ist, sie gehört weder in den Sammelkorb noch in den Salat. Sie ist selten, steht unter Naturschutz und darf keinesfalls gepflückt werden.
Zudem besteht akute Verwechslungsgefahr beim Namen: Die Nelken-Sommerwurz ist absolut nicht mit der Echten Nelkenwurz ( Geum urbanum
) zu verwechseln, die als grüne Wildpflanze auf vielen Waldböden wächst.
Die Verwechslung steckt oft schon im Namen
Die Nelken-Sommerwurz wird häufig allein durch ihren Namen missverstanden. Viele denken zunächst an die Echte Nelkenwurz oder verwechseln sie mit anderen Sommerwurz-Arten.
Tatsächlich gehört sie jedoch zu den auffälligsten Vollschmarotzern unserer heimischen Flora: ohne Blattgrün, ohne eigene Fotosynthese und vollständig abhängig von ihrer Wirtspflanze.
Besonders verblühte Exemplare wirken dabei oft fremdartig und erinnern eher an vertrocknete Orchideen oder pilzartige Gebilde als an klassische Wildpflanzen.
Wie sicher erkennst du andere Wildkräuter?
Viele Pflanzen wirken im Frühjahr überraschend ähnlich. Vergleiche typische Merkmale, Standorte und Verwechslungen direkt im Kräuterleben® Schnellcheck oder entdecke im Wildkräuterkalender, welche Arten aktuell draußen häufig wachsen.


