Löwenzahn

🍃(Taraxacum officinale)

Wurzel - Wirkung - Verwendung



Kräuterleben · Löwenzahnwurzel

Löwenzahnwurzel: Wirkung, Inulin und richtige Verwendung

Was ist an der Löwenzahnwurzel eigentlich so interessant? Welche Wirkung ist traditionell anerkannt – und was ist davon wissenschaftlich wirklich belegt?

Hier geht es außerdem um den überraschend großen Unterschied zwischen Frühjahrs- und Herbstwurzel, den Inulingehalt, die richtige Zubereitung als Tee und darum, wie aus der Wurzel ein koffeinfreier Kaffeeersatz wird.

Löwenzahnwurzel · Inhaltsstoffe

Was steckt eigentlich in der Löwenzahnwurzel?

Zwei Inhaltsstoffe sind besonders interessant: Inulin und Bitterstoffe. Beide haben ganz unterschiedliche Aufgaben – und ihr Anteil in der Wurzel bleibt über das Jahr nicht gleich.

Inulin – der Vorrat der Pflanze

Löwenzahn speichert in seiner Wurzel Inulin als Energiereserve. Für uns Menschen gehört Inulin zu den Ballaststoffen: Es wird im Dünndarm nicht einfach verdaut, sondern gelangt weiter in den Dickdarm, wo Darmbakterien es verwerten können.

Bitterstoffe – daher kommt der bittere Geschmack

Die typischen Bitterstoffe sorgen dafür, dass die Löwenzahnwurzel tatsächlich bitter schmeckt. Sie gehören zu den Inhaltsstoffen, wegen denen die Wurzel schon lange in der traditionellen Pflanzenkunde verwendet wird.

Das Überraschende kommt mit der Jahreszeit Im Frühjahr und im Herbst steckt nicht gleich viel Inulin in der Wurzel. Der Unterschied ist erstaunlich groß – und genau deshalb spielt der Zeitpunkt der Ernte eine Rolle.
Quellen: European Medicines Agency (EMA), Assessment Report zu Taraxacum officinale F.H. Wigg., radix · wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zu Inulin und Darmmikrobiota. EMA-Quellenseite

Wirkt die Löwenzahnwurzel?

Was lange genutzt wird – und was die Forschung heute wirklich bestätigt




Loewenzahnwurzel mit Blattgruen
Löwenzahnwurzel · Wirkung

Löwenzahnwurzel Wirkung: traditionell genutzt – aber was ist wirklich bewiesen?

Bei Heilpflanzen stolpert man schnell über zwei völlig verschiedene Aussagen: „seit Jahrhunderten verwendet“ und „wissenschaftlich bewiesen“. Bei der Löwenzahnwurzel trifft derzeit vor allem das Erste zu.

Nicht bewiesen heißt nicht automatisch wirkungslos Die EMA konnte für die Löwenzahnwurzel keine ausreichenden klinischen Studien finden. Deshalb gilt ihre Wirkung nicht als wissenschaftlich gesichert.

Das beweist allerdings auch nicht das Gegenteil. Eine traditionelle Wirkung kann vorhanden sein – sie ist bisher nur nicht zuverlässig durch Studien am Menschen bestätigt.

Als traditionelle Anwendungen nennt die Europäische Arzneimittel-Agentur:

Verdauung Leichte Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und träge Verdauung.
Appetit Traditionelle Verwendung bei vorübergehender Appetitlosigkeit.
Harnwege Traditionelle Verwendung zur Erhöhung der Harnmenge und unterstützenden Durchspülung der Harnwege.
Warum weiß man nach so langer Nutzung nicht mehr? Große klinische Studien sind teuer. Bei frei verfügbaren Pflanzen und Pflanzenpräparaten können die wirtschaftlichen Anreize für solche Untersuchungen geringer sein als bei neu entwickelten Arzneimitteln, bei denen sich Forschungskosten eher über geschützte Produkte refinanzieren lassen.

Dazu kommt ein praktisches Problem: Eine Pflanze ist kein immer gleich zusammengesetzter Wirkstoff. Sorte, Standort, Erntezeit und Verarbeitung können die Zusammensetzung verändern und Studien schwieriger machen.

Es gibt trotzdem Forschung an Heilpflanzen und Naturstoffen – auch mit öffentlichen Mitteln. Fehlende klinische Belege bedeuten deshalb weder „wirkt sicher“ noch „wirkt sicher nicht“. Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es noch nicht genau genug.
Quellen: European Medicines Agency (EMA) – Bewertungsbericht und EU-Monographie zu Taraxacum officinale F.H. Wigg., radix · NCCIH – Forschung zu pflanzlichen Naturprodukten.
EMA – Löwenzahnwurzel · NCCIH – Forschung zu Naturprodukten

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Wurzel sammeln?

Warum Frühjahr und Herbst nicht dasselbe liefern.

Löwenzahnwurzel · Sammelzeit & Inulin

Löwenzahnwurzel im Frühjahr oder Herbst sammeln? Inulin macht den Unterschied

Inulin ist ein Ballaststoff. Unser Dünndarm verdaut ihn nicht wie Zucker. Er gelangt weiter in den Dickdarm, wo ihn bestimmte Darmbakterien nutzen können. Deshalb ist Inulin vor allem im Zusammenhang mit Darm und Verdauung interessant.

Frühjahr: etwa 2 % Im Frühjahr kann die Löwenzahnwurzel nur rund 2 % Inulin enthalten.
Herbst: bis zu 40 % Im Herbst kann der Anteil dagegen auf bis zu 40 % Inulin steigen.
Und wofür ist das gut? Inulin gehört zu den Ballaststoffen, die von Darmbakterien verwertet werden können. Für ausreichend hohe Mengen von Chicorée-Inulin ist sogar belegt, dass sie die Stuhlfrequenz erhöhen können.

Das bedeutet aber nicht, dass eine Tasse Löwenzahnwurzel-Tee automatisch denselben Effekt hat. Die Zahlen zeigen vor allem: Wer eine inulinreiche Löwenzahnwurzel sucht, findet sie eher im Herbst als im Frühjahr.
Quellen: European Medicines Agency (EMA) – Inulingehalt der Löwenzahnwurzel · EFSA – gesundheitliche Bewertung von Chicorée-Inulin.
EMA – Löwenzahnwurzel · EFSA – Inulin und Darmfunktion

Wie bereite ich Löwenzahnwurzel-Tee am besten zu?

Löwenzahnwurzel · Tee richtig zubereiten

Löwenzahnwurzel-Tee: Aufgießen oder abkochen?

Bei Tee denkt man meistens: Pflanze in die Tasse, heißes Wasser darüber und ziehen lassen. Bei einer Wurzel sieht das etwas anders aus. Sie ist wesentlich härter als ein Blatt oder eine Blüte.

Aufguss Kochendes Wasser wird über die Pflanze gegossen und anschließend einige Minuten ziehen gelassen. Diese Methode wird vor allem bei Blättern, Blüten und anderen zarten Pflanzenteilen verwendet.
Abkochung · Dekokt Die zerkleinerte Wurzel wird mit kaltem Wasser angesetzt, zum Kochen gebracht und anschließend eine Zeit lang sanft weitergekocht. Diese Methode ist typisch für Wurzeln und andere feste Pflanzenteile.
Und was gilt für die Löwenzahnwurzel? Die Europäische Arzneimittel-Agentur nennt für die zerkleinerte Löwenzahnwurzel ausdrücklich eine Abkochung (Dekokt).

Nach der allgemeinen EMA-Definition wird ein Dekokt mit kaltem Wasser angesetzt, zum Kochen gebracht und – sofern nichts anderes angegeben ist – üblicherweise 15 bis 30 Minuten sanft geköchelt.

Ein einfacher Aufguss ist deshalb nicht automatisch „falsch“. Wer sich aber an der offiziellen europäischen Pflanzenmonographie orientiert, findet bei der Löwenzahnwurzel die Abkochung als vorgesehene Zubereitungsart.

Quellen: European Medicines Agency (EMA) – EU-Monographie zu Taraxacum officinale F.H. Wigg., radix · EMA Glossary on herbal teas.
EMA – Löwenzahnwurzel · EMA – Glossar zu Arzneitees

Löwenzahnwurzel richtig verarbeiten

Löwenzahnwurzel · Vorrat

Löwenzahnwurzel trocknen und richtig aufbewahren

Frisch ausgegrabene Löwenzahnwurzeln enthalten viel Feuchtigkeit. Wer sie aufbewahren möchte, sollte sie deshalb gründlich reinigen, zerkleinern und vollständig durchtrocknen.

1 · Säubern Erde gründlich entfernen, die Wurzel kurz waschen und anschließend oberflächlich gut abtrocknen.
2 · Schneiden Dicke Wurzeln längs teilen oder in kleinere Stücke schneiden. Dadurch kann die Feuchtigkeit wesentlich schneller entweichen.
3 · Trocknen Luftig und trocken ausbreiten oder einen Dörrautomaten bei niedriger Temperatur verwenden. Die Stücke sollten am Ende wirklich trocken und hart sein.
Der wichtigste Punkt: keine Restfeuchte Fühlen sich die Stücke innen noch weich oder feucht an, gehören sie noch nicht ins Vorratsglas. Restfeuchtigkeit kann bei der Lagerung Schimmel begünstigen.

Die vollständig getrocknete Löwenzahnwurzel anschließend luftdicht, trocken, kühl und lichtgeschützt aufbewahren. Ein beschriftetes Glas mit Erntejahr reicht dafür völlig aus.

Quellen: Penn State Extension – Trocknung und Lagerung von Kräutern · Fachliteratur zur Verarbeitung und Trocknung von Wurzeldrogen.
Penn State – Preserving Herbs by Drying

Muckefuck: Kaffeeersatz aus Löwenzahnwurzel

Wie aus der Wurzel ein koffeinfreies Röstgetränk wird.

Löwenzahnwurzel · Kaffeeersatz

Löwenzahnwurzel als Kaffeeersatz: Was passiert beim Rösten?

Aus getrockneter und gerösteter Löwenzahnwurzel lässt sich ein koffeinfreies Heißgetränk herstellen. Mit echtem Kaffee hat es botanisch nichts zu tun – durch das Rösten entstehen aber dunkle Farbe und kräftige Röstaromen.

1 · Trocknen Die gereinigte und klein geschnittene Wurzel vollständig durchtrocknen lassen.
2 · Rösten Die trockenen Stücke ohne Öl rösten, bis sie deutlich braun werden und angenehm röstig duften. Nicht verbrennen lassen.
3 · Mahlen & aufbrühen Nach dem Abkühlen mahlen und anschließend ähnlich wie ein kräftiges Heißgetränk mit Wasser zubereiten.
Schmeckt das wirklich wie Kaffee? Nicht ganz. Geröstete Löwenzahnwurzel schmeckt eher röstig, erdig und leicht bitter. Wer einen Espresso erwartet, wird den Unterschied sofort merken. Als koffeinfreie Alternative hat das Getränk aber seinen ganz eigenen Charakter.
Quellen: Fach- und Praxisliteratur zur Herstellung von Kaffeeersatz aus gerösteter Löwenzahnwurzel.
Practical Self Reliance – Dandelion Root Coffee · Verfahren zur Herstellung von Löwenzahnwurzel-Kaffee

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